Modeindustrie,  Salonthema

Einführung: Modeindustrie

In den letzten zwei Jahren war die Frage danach, was ich morgens anziehe, schnell beantwortet. Für das Home Office reichte ein warmer Pulli und eine bequeme Hose. Nun gilt keine Home Office Pflicht mehr, Konzerttermine werden eingehalten, Clubs haben seit Mitte März geöffnet und das soziale Leben erwacht mit dem Frühlingsanfang. Wieder öfter stehe ich vor, wühle in oder verzweifle an meinem Kleiderschrank. Dieser lässt tief blicken: Er ist Ausdruck meiner farblichen oder stofflichen Vorlieben, meines Budgets und meines Verhältnisses zu meinem Körper. Vor allem ist er aber auch Ausdruck der Modeindustrie. Aber warum ist die Modeindustrie ein feministisches Thema? 

Die Produktion

Mode kann Ausdruck der eigenen Identität sein. Kleider machen Leute. Umgedreht funktioniert dieses Sprichwort ebenso: Leute machen Kleider, wobei Frauen machen Kleider die Wahrheit eher trifft. Laut dem Textilbündnis wird der Frauenanteil auf 80% geschätzt, die Produktionsorte liegen im Globalen Süden. Schlechte Arbeitsbedingungen bei geringen Löhnen und Gewalt stehen neben Umweltzerstörung durch Chemikalien und einen hohen CO2 Ausstoß. In der Folge kommt es zu Katastrophen wie dem Einbruch von Rana Plaza 2013 in Bangladesch, bei dem 1.138 Menschen starben und über 2.000 verletzt wurden. Und das alles nur, damit der Globale Norden mehrere Kollektionen im Jahr zu billigen Preisen kaufen kann – soweit die Definition von „Fast Fashion“. 

Dass die Arbeitsbedingungen der Modeindustrie nicht nur im Globalen Süden überwiegend Frauen treffen, zeigt beispielhaft ein Blick in den Kölner Westen. Muss ein Reißverschluss an meiner Jeans ersetzt werden, bringe ich diesen zur Änderungsschneiderin meines Vertrauens, wo über dem Eingang ein Porträt des ehemaligen türkischen Präsidenten Mustafa Atatürk thront. Über zwei Drittel der Änderungsschneidereien in Lindenthal werden von PoCs geführt. Zwar haben sie andere Arbeitszeiten, aber als Selbstständige sind ihre Löhne und Abhängigkeiten von den bejubelten, weißen Designer*innen, die es auf hiesige Laufstege oder in Fernsehshows schaffen, weit entfernt. 

Was können wir tun?

Natürlich haben wir uns diese Frage auch im Salon gestellt. Das Video von FEMNET, einem Bonner Verein für Menschenrechte in der Modeindustrie, gibt mögliche Antworten: 

FEMNET Fair Fashion Vision 2030

Zusammengefasst bedeutet das: mehr informieren, weniger kaufen, und wenn doch nötig auf faire Marken achten, mehr reparieren, Kleider weitergeben, Lumpen weiterverwenden … Dass dies nicht nur auf individueller Ebene überdacht wird, zeigen auch die Diskussionen um das ab 2023 geltende Lieferkettengesetz. Fashion Changers haben hier einmal die Probleme mit dem aktuellen Entwurf zusammengefasst. 

Die Produkte

Doch nicht nur die Produktion, auch die Produkte der Modeindustrie sollten genauer unter die Lupe genommen werden. Aus den Produktionsbedingungen resultiert standardisierte Kleidung. Aber passen euch jegliche Hosen? Für wen sind Kleidungsstücke eigentlich da? Wer führt sie uns in der Werbung vor? Und wer darf was tragen? Wie inklusiv oder divers sind die Produkte der Modeindustrie?

Ihr merkt, Modeindustrie ist ein feministisches Thema. Diesen Fragen gehen wir in den nächsten Wochen nach. Euch erwarten FuckFacts, eine kritische Betrachtung des Second Hand Hypes, Hashtags wie #makemysize und vieles mehr. Vorab sind wir auf eure Erfahrungen gespannt: Welches Kleidungsstück/welcher Kleidungskauf hat euch das letzte Mal wütend gemacht? Und warum?


Weiterlesen/schauen zum Thema FastFashion:

Phoebe Nicette, „Klimawandel und Mode – wie sehr unser Konsum das Klima beeinflusst“, 17. September 2019, auf: Website FashionChangershttps://fashionchangers.de/klimawandel-und-mode-wie-sehr-unser-konsum-das-klima-beeinflusst/, Zugriff am 12. März 2022.
Website des Bonner Vereins FemNet mit Materialien zu Produktionsbedingungen: https://femnet.de/informationen/materialien-medien/broschueren-flyer.html
Clothes to Die For, 2014, Dokumentation des BBC, abrufbar unter https://www.dailymotion.com/video/x3fddci, Zugriff am 12. März 2022.


Zur Sprache auf diesem Blog: Immer, wenn wir Genderbezeichnungen nutzen, beziehen wir uns gleichermaßen auf trans wie cis Menschen. Uns ist bewusst, dass die von uns verwendeten Begriffe soziale Konstrukte sind und es mehr als zwei Geschlechter gibt. Um gendersensible Sprache zu verwenden, nutzen wir den Doppelpunkt. Falls wir über eine Person schreiben, die sich eine andere Selbstbezeichnung wünscht, verwenden wir diese.

Schwarz wird großgeschrieben, da dies nicht für eine Hautfarbe, sondern politische Selbstbezeichnung steht. weiß wird kursiviert, da es sich dabei um eine privilegierte Positionszuschreibung handelt.

Bild des Beitrags: Hanger von Andrej Lisakov via Unsplash.

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