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WÜTENDE Vulva: Altersvorsorge

Ich bin wütend.Seitdem wir uns mit dem Thema Altersvorsorge auseinandersetzen ist mir bewusst geworden, dass Frauen in ihrem Leben nicht nur weniger verdienen (à Gender Pay Gap, geringere Löhne in sozialen Berufen), sondern auch weniger Rente erhalten (à Gender Pension Gap). Da das eine aus dem anderen resultiert, sollte es eigentlich eine logische Schlussfolgerung sein. War mir aber nicht klar. Und macht mich füchsinteufelswild!

Denn das heißt, dass Frauen: von dem geringeren Lohn, den sie erhalten mehr in die private Altersvorsorge investieren müssen. Da viele Frauen: in sozialen Berufen arbeiten, die per se schlecht bezahlt sind, bleibt ihnen dafür weniger Geld. Frauen: mit Migrationsgeschichte haben es noch schwerer in gut bezahlte Jobs zu kommen. Dass das dann auch noch in teure Kosmetika gesteckt werden soll, um dem Schönheitsideal zu entsprechen, ist doch scheiße!

Ich bin wütend.

Weil wir seit Start unseres Themenzyklus darauf aufmerksam machen (wollen), dass Frauen sich früher um ihre Altersvorsorge kümmern sollen. Und obwohl ich finanzielles Empowerment wichtig und richtig finde und viele Denkanstöße mitgenommen habe, kann ich dem Grundtenor nichts abgewinnen. Es macht mich wütend, wenn die Deutsche Rentenversicherung erklärt, Frauen müssten sich früher um ihre Altersvorsorge kümmern,1, Sabine Hildebrandt-Woeckel in der ZEIT erklärt, Frauen handeln fahrlässig,2 frau immer wieder von der ‚Teilzeitfalle‘ liest und wir ein Meme posten, in dem ein panischer Mann vor einer Explosion mit Frauen und dem Thema Altersvorsorge gleichgesetzt wird. Denn das heißt, dass es die rein individuelle Verantwortung jeder Einzelnen sei, sich um das Thema zu kümmern. Dumm nur, dass ausgerechnet ich kein Börsenwissen mit der Muttermilch eingesogen habe.

Ich finde den Ansatz falsch, denn Altersarmut bei Frauen: ist ein STRUKTURELLES PROBLEM. Frau tappt nicht beim Babymarathon in eine Teilzeitfalle oder kennt das Wort ‚Geld‘ nicht. Altersarmut von Frauen: ist gesellschaftlich und politisch akzeptiert. Schließlich muss irgendwer reichen alten weißen Rentnern irgendwann mal den Arsch abwischen oder Medikamente bringen und das sind nun einmal überwiegend schlechtbezahlte, kein Geld für Altersvorsorge übrig habende Frauen:.

Welche #fuckingfairänderung braucht es?

Die bisher unternommenen Maßnahmen in Form des Entgelttransparenzgesetz (in Deutschland seit 2017) reichen nicht. Das zeigen auch Veränderungen in anderen europäischen Staaten. Seit 2006 müssen in Dänemark Firmen mit 35+ Angestellten ihre Gehälter offenlegen. Die dänische Gender Pay Gap sank einer Studie zufolge binnen 5 Jahren von 18,9% (2003) auf 17,5% (2008).  Allerdings nicht durch die Anhebung der Löhne der Frauen im Allgemeinen, sondern durch kleinere Gehaltserhöhungen für Männer.3 Zu einem ähnlichen Ergebnis kommen Zoë Cullen und Bobak Pakzad-Hurson: Die Löhne sinken für alle und darüber hinaus wüssten Männer aus der Transparenz häufiger ihren Vorteil zu ziehen.4

Zwei Lösungsvorschläge

Einfache Lösung: Altersarme Männer. Wenn schon Altersarmut, dann gleichberechtigt. Männern in der Rente eine Summe in Höhe des Gender Pension Pay Gaps monatlich abziehen. Das Geld in Kinderbetreuung und finanzielle Bildung von Mädchen investieren.

Schwere Lösung: Frauen: jährlich einen staatlichen Rentenbonus zahlen, um spätere Verluste auszugleichen. Solange bis es die Gender Pension Pay Gap nicht mehr gibt. Dafür Unternehmen und Versicherungen strafbesteuern, die weniger als 50% Frauen: auf Führungsebene nachweisen können.

In Wut
Clara


Autorin

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  1. Website Deutsche Rentenversicherung, „Frauen sollten sich frühzeitig um ihre Altersvorsoge kümmern“, 8. März 2019, https://www.deutsche-rentenversicherung.de/Nord/DE/Presse/Pressemitteilungen-und-Pressearchiv/Archiv/Pressemitteilungen_2019/pm_10_20190308_Altersvorsorge-Frauen.html?https=1, Zugriff am 15. Oktober 2020. []
  2. Hildebrandt-Woeckel, Sabine, Frauen handeln fahrlässig, https://www.zeit.de/online/2008/43/altersvorsorge-frauen/seite-2?utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.google.com%2F, Zugriff am 28. Oktober 2020 []
  3. Magarita Tsoutsoura, Cornell University; Morten Bennedsen, INSEAD, France; Elena Simintzi, University of North Carolina;  Daniel Wolfenzon; Columbia University, Do firms respond to gender pay gap transparency?, 5. November 2018. []
  4. Cullen, Zoë B. und Bobak Pakzad-Hurson, Equilibrium Effects of Pay Transparency in a Simple Labor Market, Harvard Business School, Boston, April 2019. []

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