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Squirting – Wir spritzen auch ab!

Bei unseren Recherchen innerhalb des Themenzyklus „Orgasmus“ sind wir immer wieder über das sogenannte Phänomen „Squirting“ gestolpert und haben uns gefragt, was es damit eigentlich genau auf sich hat. Squirting ist vielen Menschen vor allem aus Pornos bekannt, in denen Frauen* im Zuge eines intensiven Höhepunkts kleine bis gigantische Mengen an Flüssigkeit abspritzen. Doch was genau ist diese Flüssigkeit eigentlich, woher kommt sie und ist sie wirklich mit der „weiblichen Ejakulation“ gleichzusetzen?

Squirting – Was genau ist das? Unter dem Begriff „Squirting“ wird eine Flüssigkeitsabsonderung bezeichnet, die häufig austritt, wenn die Zone entlang der Harnröhre bei einer Person mit Vulva intensiv stimuliert wird.1 Das Wort stammt von dem englischen Begriff „squirt“ und bedeutet „spritzen“ beziehungsweise „abspritzen“.

Woraus besteht die „Squirting-Flüssigkeit“? Eine 2014 im Journal of sexual medicine veröffentlichte Studie2 der Gynäkologie und Geburtshilfe der Klinik Privé in Frankreich stellte fest, dass es sich beim Squirting-Sekret und „weiblichen Ejakulat“ um zwei verschiedene Flüssigkeiten handelt. Das Squirting-Sekret besteht der Studie zufolge aus einer dünnflüssigen, transparenten Flüssigkeit, die in geringer Konzentration Harnsäure, Harnstoff und Kreatinin enthält. Diese Stoffe sind in höherer Konzentration auch im Urin enthalten.3 Das „weibliche Ejakulat“ hingegen sei ein Sekret, das dem „männlichen Ejakulat“ ähnele und eine höhere Menge Prostata-spezifischen Antigens enthalte. Der Studie nach stammt die Flüssigkeit aus den Skene-Drüsen und enthält außerdem Glukose.4

Kann jede Person mit Vulva squirten? Studien gehen davon aus, dass wenige Prozent bis die Hälfte der Personen mit Vulva squirten können.5 In ihrer 1991 erschienenen Doktorarbeit “Weibliche Ejakulation. Variationen zu einem uralten Streit der Geschlechter“6 befragte die Kölner Ärztin Sabine zur Nieden knapp 3.000 Frauen nach ihrer Flüssigkeitsabsonderung während des Geschlechtsverkehrs und stellte fest, dass ungefähr ein Drittel der Frauen Erfahrungen mit Ejakulationen gesammelt hatte.5 Jedoch konnte hierbei nicht nachgewiesen werden, ob es sich dabei um Squirt-Sekret oder eine „weibliche Ejakulation“ gehandelt hatte.4 Die Möglichkeit zu squirten hängt wahrscheinlich von der Anatomie ab und ist aus diesem Grund nicht jeder Person mit Vulva möglich. Auch die Menge der abgesonderten Flüssigkeit variiert stark: Während einige Personen mit Vulva nur ein bis zwei Tropfen Flüssigkeit absondern, sind es bei anderen fast 250 ml.3

Anmerkung der Redaktion: In diesem Artikel wird die Ejakulation von Personen mit Vulva als „weibliche Ejakulation“ gezielt in Anführungszeichen wiedergegeben. Dieser Ausdruck wird im medizinischen Bereich verwendet. Mit den gesetzten Anführungszeichen möchten wir explizit auch alle Personen mit Vulva einschließen, die sich nicht als weiblich identifizieren.

Autorin

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  1. Vgl. Fiona Rohde: Squirting und weibliche Ejakulation: Das solltest du wissen, 2020, URL https://www.gofeminin.de/leidenschaft/squirting-s4013192.html []
  2. Nature and Origin of “Squirting” in Female Sexualität []
  3. Vgl. Dr. Med. Lisa Demel: G-Punkt und Squirting, 2012, URL: https://www.netdoktor.at/gesundheit/frauen/g-punkt-5762 [] []
  4. Vgl. ebd. [] []
  5. Vgl. Weibliche Ejakulation: Das steckt hinter der Flüssigkeit, 2018, URL: https://www.fem.com/liebe-lust/weibliche-ejakulation-lustvolle-fluessigkeit [] []
  6. http://zurnieden.media4art.de/category/buecher/ []

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