Allgemein,  Orgasmus

Rezension von femtasy, OMGYes und Erika Lust

Das Schlusslicht unseres Themenzyklus‘ zum Orgasmus stellt ein kleiner, persönlicher Erfahrungsbericht dar. In einer Welt, in der Lust und Befriedigung noch immer vornehmlich auf den männlichen Gusto ausgelegt sind, ist es manchmal nicht ganz einfach, etwas zu finden, das auch meinen Geschmack bedient. Einen mainstream-Porno zu sehen, der mich nicht implizit oder explizit degradiert, beleidigt oder ausschließt? Quasi unmöglich. Einen, der meinen Höhepunkt als ebenso wichtig ansieht, wie den des Mannes? Viel Erfolg. Ich hatte also die entspannte Aufgabe, mich durch die Onlinewelt der Masturbation zu klicken und mir ein paar Seiten näher anzusehen, die einen ethischeren Umgang haben und/ oder besonders für Frauen* empfohlen werden. Immer mit im Gepäck mein treuer Begleiter seit vielen Jahren: der Satisfyer (Eis.de – Werbung).

femtasy

Gestartet habe ich mit femtasy, einer App bzw. Website, die erotische Hörspiele anbietet. Mein Gedanke: nicht lange fackeln, 7 Tage Probeabo und los geht’s: Zunächst dürfen sich zwischen zahlreichen verschiedenen Frauen- und Männerstimmen zwei ausgesucht werden, die als besonders attraktiv erachtet werden. Ich wollte Männerstimmen, also habe ich „Raphael“ genommen; an den Namen der zweiten Männerstimme kann ich mich gar nicht mehr erinnern, da mich keine andere Stimme mehr auch nur ansatzweise abgeholt hat; ich bin da aber auch wirklich sehr kritisch. Wie dem auch sei, Raphael musste also abliefern. Es gibt Auswahlmöglichkeiten zwischen verschiedenen Sprachwelten und Genres, zudem kann ausgewählt werden, ob optische Beschreibungen gehört werden wollen oder nicht.

Ich habe mich für den Klassiker entschieden: alleine im Wellnessbereich mit Raphael, heißer Saunasex. Die Geschichte geht los, Raphaels Stimme ist erstmal ganz angenehm, dennoch ist es irgendwie komisch, die Geschichte aus seiner Sicht zu hören. Er erzählt von seinem‚ pulsierenden Schwanz‘ – damit kann ich aus der Ich-Perspektive erstmal nicht so viel anfangen. Ich höre weiter zu: sein Stöhnen nimmt zu, meins nicht. Raphael kommt vor Minute 6 zum Höhepunkt, ich nicht. Es kommt noch drei Minuten ein dürftiger After-Sex Talk, der das Ruder für mich auch nicht mehr rumreißt. 

Was war los? Raphaels Stimme war schön und die Idee, mal keine visuelle Stimulation zu erfahren, ist auch ziemlich gut. Für mich hat allerdings das Tempo nicht gestimmt, die Perspektive aus der gesprochen wurde ebenso wenig. Was mir leider außerdem gefehlt hat, war die Authentizität. Während des Hörens habe ich mir permanent vorgestellt, wie ein “Mitte Vierziger Holger” (Künstlername „Raphael“, zwinkern) mit Kaffee und Ziese vor dem Homeoffice-Mikro sitzt und das Skript runterliest – alles andere als erotisch. Außerdem ist das Gefühl nicht in Fahrt zu sein, während Raphael schon gekommen ist auch kein heimlicher Traum von mir gewesen. Ich fasse mal so zusammen: Diese enttäuschende Situation habe ich nach ‘ner Party auch schon einfacher hinbekommen.

Erika Lust

Als nächstes habe ich mir einen Film von Erika Lust angesehen. Sie ist auf feministische bzw. ethische Erotikfilme spezialisiert und schraubt gleichzeitig den Frauenanteil hinter der Kamera in die Höhe. Auch hier scheint für jeden Geschmack etwas dabei zu sein. Die Filme haben meistens mehr als eine Stunde Videomaterial, darin enthalten sind mehrere Szenen mit unterschiedlichen Darsteller:innen. Die Personenanzahl und die Themen sind dabei immer unterschiedlich. Mit einem Film, der gekauft wird, habe ich also schon Einiges an Material zum Ausprobieren. Im Mittelpunkt steht die gemeinsame Lust, kein einseitiger Fokus. 

Nachdem ich mir einen Film ausgesucht habe, sind mir einige Unterschiede direkt ins Auge gesprungen. Besonders hat mich eine Szene überrascht, in der im Anschluss eine Orgie stattfinden sollte. Vor dieser Orgie haben sich jedoch alle zusammengesetzt und in lockerer Atmosphäre besprochen, welche Vorlieben sie haben und welche Grenzen es gibt – wow, pornhub could never. Sehr schön anzusehen außerdem: Es sind alle Körperformen, -farben und -typen vorzufinden. Insgesamt habe ich mich eher neugierig durch den Film durchgeklickt, war aber absolut begeistert. Der Gedanke hinter den Filmen, die ästhetische und authentische Darstellung und die Bandbreite an unterschiedlichen Menschen und Szenen ohne dabei zu diskriminieren, haben für mich das Gesamtkonzept rund gemacht. Ich war sicherlich nicht das letzte Mal auf dieser Seite.

OMGyes

Zu guter Letzt noch ein weiterer, sehr kurzer Exkurs. Ich habe ich mich ein wenig bei OMGyes durchgeklickt, eine Internetseite für alle Interessierten, die „weibliche Lust wichtig nehmen und sie noch weiter steigern wollen“.1 Das Wissen, das auf der Seite geteilt wird, ist Mitglieder*innen für aktuell 45€ bzw. 79€ zugänglich und basiert auf Interviews bzw. Umfragen mit über 20 000 Frauen. Konkret geht es bei der „Steigerung weiblicher Lust“ um bestimmte Techniken, die in Videos erklärt – oder aber per detaillierter Infografik bzw. Touchsimulation dargestellt werden. Ohne die Seite weiter getestet zu haben, dient dieser Absatz eher als Impuls, da ich in meinem Freund*innenkreis bereits einige positive Rezensionen bekommen habe und mir sicherlich auch irgendwann diese Seite näher ansehen werde.

Ich habe von keinem Anbieter einen Werbeauftrag bekommen.

Autorin

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  1. Vgl. omgyes.com []

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